Reisebericht Lofoten 2017 - Martina Maise Fotografie

MARTINA MAISE
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Reisebericht Lofoten 2017

Reiseberichte
Die Lofoten - ungeschliffene Diamanten im dunklen Nordmeer
Dies ist ein Reisebericht aus der Perspektive einer Landschaftsfotografin. Ich möchte Euch hier ganz gezielt die schönsten Strände und Orte auf den Lofoten vorstellen und Euch auch Tipps zum bereisen der Inselgruppe geben. Da jetzt ziemlich viel Text auf Euch wartet, holt Ihr euch am besten einen Kaffee oder Tee und bringt etwas Zeit mit...

Was habe ich mich auf diese Reise gefreut und wie sehr habe ich mich darauf gefreut an der norwegischen Küste zu stehen und den Herzschlag des Meeres zu hören. Vor allem wie habe ich mich auf diese Reise vorbereitet - Bilder von anderen Fotografen gesichtet, Google Earth bemüht, Reiseberichte und Reiseführer gelesen. Alle für mich wichtigen Orte habe ich dann auf einer Landkarte markiert - eine gute Vorbereitung ist schließlich schon die halbe Miete...! Was soll ich sagen - zum Schluss bestand die ganze Landkarte nur noch aus farbigen Kreisen. Damit durfte jetzt schon ganz klar sein, dass es sich bei den Lofoten um ein Naturparadies der Extraklasse handelt, welches nicht so leicht zu toppen ist. Meine Erwartungen an diese Reise waren sehr hoch gesteckt und meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die Inseln liegen wie ungeschliffene Diamanten im dunklen Nordmeer und in weiten Teilen sind die Lofoten noch vollkommen unberührt - ungezähmte Inseln, welche noch nicht von Menschenhand gebändigt wurden! Tiefe Fjorde, majestätische Berge, weiße Sandstrände und von der Brandung umspülte Felsen versetzten den Besucher in Staunen. Man sieht der Landschaft an, dass hier der Wind und das Meer über Äonen von Jahren um das Land gekämpft und es geformt haben. Im Herbst wenn die Laubverfärbung einsetzt - krönt noch das leuchtende Gold der Birken die wundervolle Landschaft. Um die raue Schönheit der Lofoten und die einzigartige Landschaft in Worte zu fassen, kann man nur Superlativen verwenden.

Von Mitte September bis Anfang Oktober war ich auf den Lofoten unterwegs und da die Lofoten circa 300 Kilometer oberhalb des Polarkreises liegen, bin ich auch ausgerüstet wie zu einer Polarexpedition aufgebrochen. Ich habe mit Kälte, Herbststürmen sowie einigen Regentagen gerechnet und bin mitten im norwegischen Sommer gelandet. Bis auf einen einzigen Regentag schien jeden Tag die Sonne und die Temperaturen lagen zwischen 15 und 25 Grad. An neun Tagen gab es keine einzige Wolke am Himmel zu sehen und ein strahlend blauer Himmel spannte sich über die Lofoten. So angenehm das Wetter auch war, ein wolkenloser Himmel und grelles Sonnenlicht ist für einen Landschaftsfotografen fast genauso schlimm wie Dauerregen. Aber das ist jetzt meckern auf einem ganz hohen Niveau!

Meine ersten Urlaubstage habe ich in Svolvær verbracht - um in Ruhe den nördlichen Teil der Lofoten erkunden zu können. Hier hatte ich für mich im Lofoten Rorbuer eine kleine Ferienwohnung bzw. ein großes Zimmer mit Bad und einer kleinen Küche angemietet. Das Lofoten Rorbuer kann ich auf Grund der Sauberkeit sowie der ruhigen Lage empfehlen. Allerdings sollte man bei der Buchung aufpassen - nicht alle Zimmer verfügen über ein eigenes Bad. Dem Inhaber gehören einige Fischerboote und gerne kann man dort auch Angeltouren buchen.

Wenn ich während meiner Reisen vor Ort bin, achte ich die ersten Tage immer auf den Wechsel der Gezeiten, auf die Besonderheiten der Landschaft und auf den Verlauf der Sonne. Auf den Lofoten ist mir sofort aufgefallen, dass durch die tiefstehende Sonne, die Berge am Morgen sowie am Abend angestrahlt werden und zu diesen Zeiten intensiv leuchten.


Hier der Blick auf den Austnesfjord in der Nähe von Sildpollnes. Es ist als würde jemand Spot an rufen und dann beginnt ein grandioses Schauspiel. Langsam ziehen die Schatten der Nacht an den Hängen der Berge hinauf, während die Gipfel für einen kurzen Zeitraum in einem leuchtenden Orange erstrahlen. Die Aufnahme entstand von einem Aussichtspunkt entlang der E10 Richtung Narvik (Austnesfjorden picnic, E10, 8300 Svolvær, Norwegen).




Von dort oben hat man auch einen hervorragenden Blick auf die Kirche von Sildpollnes. Der Aussichtspunkt liegt circa zwanzig Minuten von Svolvær entfernt.

Wer mag kann diese landschaftlich sehr schöne Strecke auch bis Laukvik weiterfahren und wird unterwegs bestimmt noch weitere feine Fotomotive finden.

Die oben aufgeführte Strecke liegt Richtung Osten & Norden und bietet sich im September auch für spektakuläre Sonnenauf-
gangsmomente an. Am besten im Vorfeld schon mal den Stand der Sonne im Augen behalten und sich am Tag vorher ein paar gute Plätze für den Sonnenaufgang suchen. Ich konnte gleich am ersten Morgen vom Fenster meiner Ferienwohnungen aus einen grandiosen Sonnenaufgang bewundern. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt noch etwas orientierungslos und hatte natürlich noch kein entsprechendes Motiv gefunden um einen Sonnenaufgang umsetzten zu können. Das hat mich fast in den Wahnsinn getrieben!!! Da wird einem ein Jahrhundertlicht geschenkt und man weiß nicht wohin zum fotografieren! Ganz klar hat mir das keine Ruhe gelassen und so bin ich jeden Morgen gegen 05.15 Uhr aufgestanden - habe aus dem  Fenster geschaut, nur um zu prüfen ob wieder so ein geniales Morgenlicht zu erwarten ist - leider erfolglos. Erst an meinem letzten Tag in Svolvær, wurde mein frühes Aufstehen mit diesem fantastische Licht belohnt. Diese Aufnahme entstand direkt am Ortsausgang von Svolvær in Richtung Narvik.


Ein weiterer Höhepunkt auf den Lofoten ist natürlich das Fischerdorf Henningsvær - der kleine Ort konnte sich sein ursprüngliches Flair bewahren. Rund um das Dorf findet man auch die markanten Trockengerüste für den Stockfisch – auch Kathedralen der Lofoten genannt. Henningsvær mit seinem schönen Hafen und den malerischen Holzhäusern ist zu jeder Tageszeit einen Besuch wert, wobei der Hafen fotografisch zum Sonnenaufgang den schönsten Anblick bietet.

Alleine die Anfahrt über die teilweise einspurige Landstraße und die geschwungenen Brücken ist ein fantastisches Landschafts-
erlebnis. Die Straße führt direkt am Atlantik entlang - vorbei an kleinen Sandbuchten (Rørvikstranda) und rauen Felsen, welche sich wie Berggipfel aus dem Meer erheben. Hier bekommt man auch zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie ungeschützt die Inselgruppe im wilden Atlantik liegt. Die besten Aufnahmen gelingen hier am frühen Morgen oder zum Sonnenuntergang.

      
Auf jeden Fall sollte man auch die Insel Gimsøy besuchen. Die Insel ist durch Brücken mit den beiden Hauptinseln der Lofoten - Austvågøya und Vestvågøy verbunden. Auch wenn die kleine sowie sehr fotogene Holzkirche von Gimsøy schon fast so etwas wie das Wahrzeichen der Lofoten ist, sollte man unbedingt die ganze Insel auf den kleinen Landstraßen umrunden. Die Kirche von Gimsøy (Gimsøysand) liegt direkt an einer kleinen Bucht, welche sich bei Flut mit Wasser füllt und dann entstehen dort auch die besten Aufnahmen. Zweimal habe ich die Kirche besucht - nach dem ersten Mal war ich bei der späteren Durchsicht der Bilder nicht wirklich zufrieden, da mich auch das Licht nicht überzeugt hat. Also habe ich mich entschlossen am nächsten Tag noch einmal nach Gimsøysand zu fahren.

Gegen 15.00 Uhr war ich dann wieder vor Ort, nur leider ließ die Flut noch auf sich warten. Also habe ich mir mit meinem Kindle einen sonnigen Platz gesucht, nur um gute zwei Stunden auf den richtigen Wasserstand zu warten. Kurze Zeit später kreuzte dann ein kleiner Fischkutter in der Bucht und mit der angenehmen Ruhe war es dann leider vorbei, denn aus vollem Rohr dröhnt Heavy Metal über das Meer. Zu allem Übel waren kaum Wolken am Himmel und auch das schöne Nachmittagslicht blieb aus – grell strahlte die Sonne vom blauen Himmel. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt – also Kekse sowie Wasser aus dem Auto holen und weiter auf gutes Licht warten. Gegen Abend zogen dann schnell sowie vollkommen unerwartet Wolken auf und damit gab es auch endlich ein schönes Abendlicht. Manchmal kommt alles zu dem der Warten kann ;-))...


Bevor ich nun auf der Lebensader der Lofoten - der E10 weiter nach Leknes reise, noch ein kleiner Tipp. Auch wenn die E10 alle wichtigen Ort miteinander verbindet, sollte man auf keinen Fall versäumen die ganzen kleinen Nebenstraßen auf den Lofoten abzufahren, denn nur so lernt man die Inselgruppe in ihrer ganzen landschaftlichen Vielfalt wirklich kennen.
          
Die zweitgrößte Stadt der Lofoten - Leknes liegt ideal um den mittleren sowie südlichen Teil der Lofoten zu erkunden. Außerdem gibt es dort eine kleine Infrastruktur in Form von einer Tankstelle, einer guten Pizzeria sowie einem großen Einkaufszentrum.
In der näheren Umgebung gibt es genügend Ferienwohnungen oder kleine Rorbuers (umgebaute Fischerhütten), welche man als Selbstversorger mieten kann. Ich habe mich für das renovierte Best Western Hotel direkt in Leknes entschieden - anscheinend hat das Hotel den Namen geändert und heißt jetzt Scandic Leknes Lofoten. Immerhin hat man ja Urlaub und möchte sich auch ein wenig Erholung gönnen. Das gemütliche Hotel, die freundlichen Mitarbeiter, die legere Atmosphäre sowie das gute und wirklich leckere Frühstücksbuffet kann ich nur empfehlen.

Kaum habe ich am Nachmittag mein Zimmer bezogen, zieht es mich auch schon magisch zum schönsten aller Strände auf den Lofoten - dem Uttakleiv Beach.


Der bekannte Strand liegt nur knapp zwanzig Fahrminuten von Leknes entfernt. Auf der E10 geht es wieder ein kleines Stück zurück in Richtung Norden und dann zeigt schon ein großes Schild die Abzweigung zum Haukland und dem Uttakleiv Beach an. Die beiden Strände liegen dicht zusammen und vom Haukland Beach sind es nur noch zwei Kilometer bis zum Uttakleiv Beach. Seit einigen Jahren kann man vom Haukland Beach aus, durch einen Tunnel nach Uttakleiv fahren. Wenn man mit dem Auto allerdings direkt bis an den Strand fahren möchte, was ich nur empfehlen kann - muss vorher noch eine kleine Gebühr von
20 NOK in eine Blechdose gezahlt werden.

Vom Parkplatz aus bietet sich dem Betrachter ein atemberaubender Blick auf eine Traumkulisse! Von allen Stränden auf den Lofoten bietet der Uttakleiv Beach die größte Vielfalt. Er ist mit seinem cremefarbenen Sand, dem grünen Gras, den schönen Gezeitenpools sowie den runden dunkelgrauen Steinen und der felsigen Küste der Traum eines jeden Landschaftsfotografen.
An diesem Strand kann man sich fotografisch so richtig austoben und die verschiedenen Motive in allen möglichen Belichtungszeiten festhalten.

Staunend wie ein kleines Kind stehe ich am Klippenrand und lasse diese unbeschreibliche Szenerie auf mich wirken. Die Wolken türmen sich am Himmel, in der Ferne ragen die Gipfel des Skolmen sowie des Medskolmen aus dem Wasser heraus und die Flut trägt den salzigen Geruch des Meeres zu mir hinauf - wie sehr ich diese Momente am Meer liebe! An diesem Abend entstand zum Sonnenuntergang auch eines meiner Lieblingsbilder mit dem bekannten Eye of Uttakleiv im Vordergrund...


Meine Reisen organisiere ich immer so, dass ich vor Ort genügend Freiraum habe, um interessante Orte öfters anfahren zu können. Auch plane ich immer genügend Zeit ein, damit ich auf das für mich richtige Licht warten kann. Denn im Wechsel der Gezeiten und durch die verschiedenen Lichtsituationen wirkt der gleiche Ort beim nächsten Besuch oft vollkommen anders. Den Uttakleiv Beach habe ich auf Grund der Nähe zu Leknes sowie seiner faszinierenden Schönheit sehr oft besucht und gerade die etwas stilleren Momente haben mich hier absolut begeistert.


So sehr die Felsen mit den gefüllten Wasserpools zum fotografieren einladen - hier muss man wirklich aufpassen! Die nassen Steinen sind bei Feuchtigkeit spiegelglatt und durch den feinen Algenbelag bewegt sich man wie auf Schmierseife! Kommt man einmal ins rutschen - gibt es kein Halten mehr...!

Am Strand gibt es vereinzelt Grillgelegenheiten und gegen eine Gebühr darf man hier auch zelten sowie über Nacht mit seinem Wohnmobil stehen bleiben. Ende September war der Strand unter der Woche relativ schwach besucht und auch zum Sonnen- untergang waren kaum Fotografen unterwegs.

Ich möchte die Lofoten auf keinen Fall in den Sommermonaten erleben, wenn die Touristen die Inseln stürmen. In den Monaten September/Oktober ist touristisch gesehen wirklich sehr wenig los. Die ruhige Nebensaison, das milde Herbstwetter sowie die grandiose Natur schenkten mir absolut entspannte Tage. Dazu kommt das ab Mitte September die Wahrscheinlichkeit Polarlicht zu erleben relativ hoch ist.

Es gibt Dinge welche man einmal im Leben erlebt oder gesehen haben muss! Dazu gehört für mich definitiv das Polarlicht. Einmal wollte ich das grüne Licht - die Aurora borealis selbst erleben. Ich wollte unbedingt sehen wie sich das Polarlicht am dunklen Firmament aufbaut und die grünen Schleier über den nächtlichen Himmel tanzen. Die ersten Nächte suchte ich vergeblich den Himmel ab und so langsam machte sich bei mir bittere Enttäuschung breit. Aber dann wurden mir doch noch drei Nächte mit Polarlicht geschenkt - vielen Dank Norwegen. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben!! Es ist ein so wunderbares und intensives Erlebnis! Sprachlos und vollkommen überwältigt stand im am Strand und ich konnte den Blick nicht mehr vom Himmel lösen. Vergessen ist das lange Warten in der Kälte - solche Momente brennen sich ganz tief in meine Seele. Aber Achtung es besteht Suchtgefahr und damit ist schon jetzt klar, dass es irgendwann auch eine Winterreise zum Polarlicht geben wird. An diesem Abend taucht das Polarlicht am Uttakleiv Beach schon sehr früh am Himmel auf, so dass am Horizont noch das letzte Glühen vom Sonnenuntergang zu erkennen ist. Gerade die Strände von Haukland und Uttakleiv eignen sich bestens zur Polarlichtfotografie.


Jetzt möchte ich auch noch ein paar Worte zum Haukland Beach schreiben. Jaaa - der halbmondförmige Strand ist sehr schön und wird überall hochgelobt. Auch würde man einen so feinen sowie weißen Sandstrand wohl eher in der Karibik erwarten als auf den Lofoten. Gleichwohl sind der Haukland Beach und ich nicht so richtig warm miteinander geworden. Es gibt spannendere Orte auf den Lofoten und auch schönere Plätze für einen Sonnenuntergang - zumindest meiner Meinung nach. Vielleicht lag es an dem zu schönen Wetter oder vielleicht auch einfach nur daran, dass der Strand immer gut besucht war...? Keine Ahnung warum - auf jeden Fall sind mir dort keine guten Aufnahmen gelungen. Im Winter wenn Schnee und Eis das Land formen, kann dies natürlich schon wieder ganz anders aussehen. Eine fotografische Impression, welche an einem Morgen bei Ebbe entstanden ist, habe ich doch noch für Euch. Passend zum karibischen Strand gibt es auch einen strahlend blauen Himmel dazu.


Ein weiterer Strand den man unbedingt gesehen haben muss - ist der Unstad Beach. Von Leknes aus beträgt die Fahrzeit knapp dreißig Minuten. Kurz vor Unstad muss man noch einen einspurigen sowie unbeleuchteten Tunnel durchfahren, was nicht ganz so prickelnd ist. Die Durchfahrt war erlaubt, allerdings wurde vor fallenden Felsbrocken gewarnt - insgesamt eine sehr unangenehme und beklemmende Aktion. Da mich dieser Strand aber absolut begeistert hat, habe ich diesen trotzdem mehrmals besucht. Vor allem am Nachmittag und zum Sonnenuntergang gelingen hier stimmungsvolle Aufnahmen.


Der Unstad Beach ist das Paradies des Arctic Surfings - das Hawaii des Nordens! Allerdings reiten bei den eisigen Wasser- temperaturen nur die abgehärtetsten Surfer die hohen Wellen. In der Bucht weht dauerhaft ein starker Wind und ich genieße diese wilde Szenerie. Wild peitschen Flut und Wind die großen Wellen an den Strand. Ich liebe dieses raue Wetter, wenn ich mich gegen den böigen Wind stemmen muss, die Wolken dramatisch über den Himmel ziehen und das Meer sich laut rauschend an den Felsen bricht. Das sind die Momente einer Reise, in denen ich spüre, dass ich das gerade Erlebte immer in Erinnerung behalten werde. In stressigen Zeiten kann ich mich dann gedanklich zurück auf die Lofoten zu beamen!

So, lange genug geträumt - jetzt wird es Zeit die Komfortzone zu verlassen und sich mit der Kamera in die Wellen zu stürzen. Sehr gerne arbeite ich am Meer mit langen Belichtungszeiten. Gleichwohl mag ich es aber auch, wenn das Wasser quasi aus dem Bild läuft. Die weißen Schaumstreifen, welche abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Wasser entstehen, nutze ich auch gerne zur Linienführung in meinen Aufnahmen. Hier fotografiere ich dann mit wesentlich kürzeren Belichtungszeiten von circa einer 1/2 Sekunde. Das heißt aber auch, dass man sich mit seinem Stativ und der Kamera mitten in den starken Wellen aufbauen muss! Abhängig von den Wellen und dem Licht steht man dann schon mal ein bis zwei Stunden im eiskalten Polarmeer. Das Wasser läuft sofort in die Schuhe und bei der ein oder anderen starken Welle, steht man schon mal locker bis zu den Knien im Wasser - wichtig ist nur das keine Welle die Kamera erwischt! Während ich am fotografieren bin - vollgepumpt mit Adrenalin und Glückshormonen spüre ich die Kälte definitiv nicht. Erst danach kriechen mir schlagartig Feuchtigkeit und Kälte in die Knochen - von daher habe ich im Auto immer trockene Kleidung zum wechseln.


Am Unstad Beach gibt es auch weite Strandabschnitte mit wunderbar großen Steinen, welche vom Meer über hunderte von Jahren rund geschliffen wurden. Die dunkelgrauen Steine kommen am besten mit langen Belichtungszeiten und dem daraus entstandenen nebligen Wasser zur Geltung. Ein fantastischer Strand welcher wieder zum experimentieren mit verschiedenen Belichtungszeiten einlädt.


Wenn man schon einmal in der Ecke ist, sollte man unbedingt auch Eggum besuchen. Die Fahrt dorthin hat mir sehr gut gefallen und auch das Naturreservat von Eggum ist einen Besuch wert. Unterwegs kommt man auch an ein paar kleinen Seen vorbei. Die Luft auf den Lofoten ist unwahrscheinlich klar und sauber! In Verbindung mit dem absolut ruhigen Herbstwetter konnte ich auf den Lofoten, entlang der vielen Seen immer wieder wunderbare Spiegelungen erleben und fotografisch festhalten - so wie hier auf der Fahrt nach Eggum.


Die Umgebung rund um Vestersand und Kvalnes hat mir nicht ganz so gut gefallen. In meinen Augen wirkt die Landschaft dort etwas unspektakulär und flach. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass das Auge von den vielen unbeschreiblich schönen Landschaftseindrücken schon etwas verwöhnt ist.

Ans Herz legen möchte ich Euch auf jeden Fall die Strecke entlang der kleinen Landstraße 815. Die Straße biegt von der E10 ab, führt durch den kleinen Ort Valberg und endet in Leknes. Es spielt absolut keine Rolle ob man nun von Leknes aus oder von der E10 aus startet, am besten kommt die Landschaft auf jeden Fall zum Sonnenaufgang sowie im sehr frühen Morgenlicht oder im späten Nachmittagslicht zur Geltung. Die Szenerie wechselt zwischen kleinen Seen, weiten Moosflächen, Bergen sowie schönen Küstenabschnitten und die Frühaufsteher unter den Fotografen werden hier bestimmt einen schönen Platz zum Sonnenaufgang finden. Die besten Spots findet man meiner Ansicht nach zwischen Leknes und Valberg.

Von Leknes aus hat man mit dem Auto auch schnell Stamsund erreicht. Stamsund gehört zu den größeren Orten auf den Lofoten und es gibt hier auch einen kleinen Hafen. Viel mehr hat der Ort allerdings auch nicht zu bieten. Anbei noch ein Bild mit Blick auf die Hafenanlage und den kleinen Fischerbooten von Stamsund.


Begeistert hat mich auch der malerische Strand von Myrland, auf der Insel Flakstadøya. Von Leknes aus erreicht man den Strand mit dem Auto in circa 20 Minuten. Das letzte Wegstück führt über eine gut zu befahrene Schotterstraße. Direkt an der Straße gibt es einen kleinen Parkplatz und ein schmaler Weg führt über eine Wiese zum Strand hinunter. Da manchmal auch Schafe auf der Weide sind, muss man eventuell über einen niedrigen Elektrozaum klettern. Der Myrland Beach liegt etwas abseits der üblichen Touristenrouten und bei meinen Besuchen war ich dort über Stunden immer ganz alleine.  

Der feine Sandstrand erinnert bei blauen Himmel und Sonnenschein wieder an die Karibik. Die Bucht wird von rauen Felsen eingerahmt und auch in der Gezeitenlinie liegen große Felsbrocken, welche sich ganz wunderbar als Vordergrundelement eignen. Gerade bei Flut, wenn das Meer die Felsen umspült oder sich wild an diesen bricht, lohnt sich hier ein Besuch Eine wirklich tolle Szenerie! Die unten gezeigte Aufnahme entstand nach einer recht stürmischen Nacht bei ablaufender Flut.


Folgt man der E10 weiter Richtung Süden, kommt man automatisch an dem kleinen Ort Vareid vorbei, welcher aus einer handvoll Häusern besteht. Wer hier an der Kreuzung Richtung Vikten rechts abbiegt, fährt für ein paar Kilometer an einer zerklüfteten Küstenlinie entlang, welche auf dem ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär erscheint. Man muss schon aussteigen sowie über die Felsen klettern und sich mit der Umgebung vertraut machen. Dann entdeckt man kleine Wasserpools und raue Gesteins- formationen welche geniale Fotomotive abgeben. Besonders zum Sonnenuntergang kann man hier fantastische Stimmungen einfangen.


Wer mag kann jetzt noch einen Abstecher zu dem kleinen Ort Nussfjord, einem der bekanntesten Fischerdörfer auf den Lofoten machen. Das Dorf steht komplett unter Denkmalschutz und man findet dort noch rund vierzig Rorbuer im typisch norwegischen Baustil. Die Besichtigung kostet natürlich Eintritt und ob sich ein Besuch wirklich lohnt, muss jeder für sich entscheiden.

Fotografisch interessanter sind da auf jeden Fall die Strände rund um Flakstad und Ramberg, wobei mich der weite Skagsanden Beach, welcher direkt an der E10 liegt, absolut begeistert hat. Die große Sandbucht wird von grünen Wiesen umrahmt und lädt zu einem weitläufigen Strandspaziergang ein. Wie überall auf den Lofoten ragen auch hier spitze Berge, wie markante Alpengipfel aus dem Meer heraus. Von Leknes bis zum Skagsanden Beach beträgt die Fahrzeit ohne weitere Stopps circa dreißig Minuten.

Das besondere an dem Skagsanden Beach ist die Mischung von einem fast weißen Sand mit schwarzen Sand. Bei Flut werden beide Sandsorten schön durcheinander gemischt und bei Ebbe entstehen dann ganz wunderbare Muster und abstrakte Strukturen. Da die Ebbe während meiner Reise immer am frühen Morgen einsetzte, war ich schon entsprechend früh vor Ort. Dann werden auch die Berge von der Morgensonne angestrahlt und spiegeln sich in dem nassen Sand. Wieder so ein unbeschreiblicher Glücksmoment, wie sie einem auf den Lofoten jeden Tag geschenkt werden! Solch einem Motiv kann ich natürlich nicht widerstehen und schon liege ich mit meiner Kamera im nassen Sand...


Bevor es weiter Richtung Süden geht, sollte man unbedingt die fast schon lieblichen Landschaft rund um Fredvang erkunden. Alleine die Anfahrt über die Brücke bietet schon wunderbare Ausblicke. Hier sollte man wieder etwas mehr Zeit einplanen, um auch die kleinen Nebenstraßen abfahren zu können

Bestimmt kommt der Süden der Lofoten in meinem Reisebericht viel zu kurz. Das liegt zu einem daran, dass die Anfahrt bis nach Reine doch zu lang ist um mal schnell zum Sonnenaufgang vorbei zu fahren. Zum anderen gab es tagelang überhaupt keine Wolkenbildung und durch das grelle Licht waren dann auch keine stimmungsvollen Aufnahmen am Morgen oder am Abend möglich. Wer hier etwas mehr Zeit verbringen möchte oder zum fotografieren zur richtigen Zeit vor Ort sein möchte, der sollte in der Umgebung von Reine noch drei bis vier Tage übernachten.

Entlang einer absolut großartigen Küstenlinie schlängelt sich die E10 bis zum südlichen Ende der Lofoten - mehrere Brücken verbinden die Inseln miteinander. Unbedingt sollte man die Straße bis zum letzten Ort auf den Lofoten nach Å i Lofoten - kurz Å genannt durchfahren. Dabei kommt man auch an dem kleinen Ort Reine - dem schönsten Dorf der Lofoten vorbei. Für diesen Ausflug kann man gut und gerne einen ganzen Tag einplanen. Während meiner Fahrt entlang der atemberaubenden Küste, hatte ich bestes Kaiserwetter und das Meer leuchtete in allen erdenklichen Blau- und Türkistönen. Die fantastische Landschaft breitete sich wie eine Postkartenidylle vor mir aus, steil und unbezwingbar erheben sich die markanten Berge aus dem Meer und auf dem grauen Granit stehen die für Norwegen so typischen roten Holzhäuser. Was für eine dramatische und gleichzeitig wunderbare Szenerie. Auch diesen Tag werde ich mit all seiner landschaftlichen Schönheit nicht vergessen. Anbei noch eine Aufnahme von dem authentischen Fischerdorf Hamnøy...


Was kann man sonst noch auf den Lofoten unternehmen, außer fotografieren und sich vollkommen dieser grandiosen Landschaft hingeben? Auf den Lofoten dreht sich alles um den Fischfang sowie das Angeln, von daher werden fast überall Angeltouren angeboten. Interessant ist bestimmt auch eine Whale Watching Tour oder eine Fahrt in den beeindruckenden Trollfjorden mit dem Raftsund. Weiterhin lohnt sich bei schlechten Wetter auch ein ein Besuch des Vikingmuseums.

Natürlich kann man auf den Lofoten auch wirklich tolle Wanderungen unternehmen. Allerdings sollte man hier schon sehr trittsicher sein und auch Bergerfahrung haben, denn die Strecken sind nicht so einfach zu bewältigen. Drei bis vier Wanderung hatte ich mir im Vorfeld ausgesucht und am Laptop plant sich so etwas natürlich leicht - in der Realität sieht dies dann schon wieder ganz anders aus. Die Wege sind ungesichert, sehr steil und führen zum Teil durch glitschigen Morast. Nachdem ich mir mal in Schottland, gleich am zweiten Tag meines Urlaubs, bei einer Wanderung sehr böse den Knöchel verstaucht habe, bin ich da inzwischen etwas vorsichtiger geworden. Ich habe mir vor Ort die Strecken angesehen und mich erst einmal wehmütig von dem Gedanken verabschiedet. Da es vor meiner Reise sehr lange und viel geregnet hatte, waren die Böden vollkommen aufgeweicht und ich wollte einfach kein unnötiges Risiko eingehen. Es gibt auf den Lofoten auch so genug so entdecken...

Wie kommt man eigentlich auf die Lofoten? Wer viel Zeit hat, kann natürlich mit dem eigenen Auto nach Norwegen anreisen und auch für Wohnmobile gibt es genügend Stellplätze. Am schnellsten geht es natürlich mit dem Flugzeug. Da ich nahe an der Grenze zur Schweiz lebe, bin ich von Zürich aus - über Oslo nach Bodo geflogen. Von dort ging es direkt mit einer Propeller- maschine weiter nach Leknes - alleine dieser Flug war schon ein ganz besonderes Erlebnis! Im Vorfeld hatte ich einen Wagen angemietet und konnte diesen direkt am Flughafen abholen. Der Flughafen ist sehr klein - da ist bei uns mancher Supermarkt größer und liegt direkt am Ortseingang von Leknes. Bis zum Hotel in Leknes sind es keine fünf Fahrminuten. Allerdings bin ich vom Flughafen aus direkt nach Svolvær weiter gefahren und erst ein paar Tage später wieder zurück nach Leknes gereist. Da mein Flug in Zürich schon um 07.00 Uhr morgens gestartet ist, war die Anreise ohne zeitliche Probleme zu bewältigen - und genauso würde ich es auch immer wieder machen.

Die Lofoten haben mich absolut begeistert und tief in meinem Herzen berührt! Solch eine grandiose Landschaft habe ich nicht erwartet und meine kühnsten Träume wurden bei weitem übertroffen. Ich habe mich in diese fantastischen, wilden sowie rauen Inseln verliebt. Von daher wird es auch in absehbarer Zeit wieder eine Reise auf die Lofoten geben...

Mit einer letzten Aufnahme vom Uttakleiv Beach zum Sonnenuntergang möchte ich meinen Reisebericht nun beenden.


Habt Ihr jetzt Fernweh bekommen und möchtet die Lofoten bereisen? Vielleicht helfen Euch meine Informationen und meine Tipps auch bei Eurer eigenen Reiseplanung. Falls Ihr noch weitere Fragen habt, könnt Ihr Euch gerne bei mir melden. Wenn Euch mein Reisebericht und meine Aufnahmen gefallen haben, würde ich mich über einen Kommentar von Euch freuen.

Wo immer Ihr auch seid - ich wünsche Euch allzeit ein wunderbares Licht.

Martina




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